Mit dem Bus zum Meistertitel (NWZ vom 01.10.2005)

GESCHICKLICHKEITSFAHREN  Andre Klostermann siegt bei der „Deutschen Meisterschaft “
Deutschlands bester Busfahrer wohnt in Wahnbek. Sein Beruf hat mit dem Hobby allerdings wenig zu tun.

von wolfgang müller
WAHNBEK – So einen Busfahrer wünscht sich wohl jeder Reisende. Andre Klostermann aus Wahnbek steuert in jede Parklücke, kann Abstände links, rechts und oben perfekt abschätzen, hält punktgenau an und hat keinerlei Probleme mit Kurven und engen Gassen. Allerdings: Der Feuerwehrmann (beruflich in Oldenburg, freiwillig in Wahnbek) steuert Busse weder im Reise- noch im Linienverkehr, sondern „nur“ in Wettbewerben. Das aber so gekonnt, dass Andre Klostermann erneut Deutscher Meister wurde.

Seit er 18 ist, fährt er Auto. Bei der Bundeswehr hat er alle Führerscheine gemacht, mit 19 ließ er sie „auf zivil umschreiben“. Als Feuerwehrmann in Oldenburg fährt er „alles, was Räder hat“, darunter auch einen 18-Tonner. Und weil ihm Autofahren so viel Freude macht, schloss er sich dem Motorsportclub (MSC) Oldenburg an – und engagierte sich hier im Geschicklichkeitsfahren mit Nutzfahrzeugen. Trainieren lässt sich das nicht ohne Parcours – und der wird nur bei Wettbewerben aufgebaut. Zehn Qualifikationsturniere gibt es, zweimal wird geprobt, dann auf Zeit und Sicherheit gefahren. Der Wahnbeker überzeugte mit seinen Fahrkünsten, qualifizierte sich für die Deutsche Meisterschaft in Eppelheim bei Heidelberg, ließ 27 Mitbewerber hinter sich und fuhr zum Sieg, wie schon 2000 (mit LKW) und 2001 (mit Bus). Bei der Weltmeisterschaft 2002 in Oldenburg errang er mit der Nationalmannschaft den Weltmeistertitel, sein MSC-Team wurde Vizeweltmeister, er selbst in der Einzelwertung 4. Im Herbst

2006 nimmt Klostermann an der Weltmeisterschaft in Luxemburg teil und will hier „in der Spur von Ralf Rüscher aus Ipwege fahren“; der wurde vor drei Jahren in Oldenburg Weltmeister.

Das Geschicklichkeitsfahren mit dem Bus ist und bleibt sein Hobby, beruflich einsetzen kann er es nicht, dafür bräuchte er den Personenbeförderungsschein.

Aber an einen Berufswechsel hin zum Busfahrer denkt Andre Klostermann ohnehin nicht. Neben dem Fahren ist die Feuerwehr seine Leidenschaft – „und natürlich die Familie“.

Diesen Artikel lieferte Ihnen NWZ-online.de

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