Reiz liegt im Schrauben und Tffteln (NWZ vom 30.05.2008)

AUTOS Huder nimmt an Oldtimer Classic Rallye teil Sein BMW 326 Kabriolett wurde 1939 gebaut

BildSpritztour: In diesem BMW 326 Kabriolett wird sich Jrgen Kmpel am Sonnabend, 31. Mai, gemeinsam mit seiner Frau Hilke den anderen Teilnehmern der Oldtimer Rallye Graf-Anton-Gnther anschlieen.BILDER (2): BENJAMIN KLEEMANN

JRGEN KMPEL LIEBT ES, AN ALTEN AUTOS HERUMZUBASTELN. AN DIESEM SONNABEND GEHT ES MIT RESTAURIERTEN AUTOMOBILEN EINMAL QUER DURCH DEN LANDKREIS.

VON BENJAMIN KLEEMANN

HUDE – Der blaue 326er BMW Kabriolett Baujahr 1939 ist zwar schon der fnfte Oldtimer, den Jrgen Kmpel restauriert. Doch fr ihn hat er dennoch eine besondere Bedeutung: Dieses Auto musste ich einfach haben, denn genau so einen Wagen hat mein Vater nach dem Zweiten Weltkrieg gefahren. Dass er bereits als Kind in so einem BMW gesessen hat, daran kann sich der Huder nicht mehr erinnern. Aber um so lebendiger sind ihm die Erzhlungen seiner Familie und die alten Fotos im Gedchtnis.

Nachdem Jrgen Kmpel zuletzt seine Nichte in dem Zweitrer zum Traualtar gefahren hat, nutzt er an diesem Sonnabend wieder die Gelegenheit, den BMW zu bewegen. Gemeinsam mit seiner Frau Hilke wird er an der Oldtimer Classic Rallye Graf-Anton-Gnther teilnehmen, die in Oldenburg startet und die Fahrer etwa 160 Kilometer quer durch den Landkreis fhrt.

Vor sechs Jahren hat der leidenschaftliche Tftler die Reste eines Autos erstanden. Die Karosserie, die Achsen, den Motor und ein paar Kleinteile eigentlich war es nur ein groer Haufen Schrott, berichtet der 58-Jhrige. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Oldtimer bereits einen langen Weg zurckgelegt. 1939 war er zum ersten Mal in sterreich zugelassen und whrend des Krieges von der Wehrmacht requiriert worden. ber Tschechien gelangte das Auto dann nach Dsseldorf, wo Kmpel es entdeckt hat.

Frher wurden die Karosserien mit einem Gerst aus Holz gebaut. Das war natrlich hinber und musste als erstes neu aufgebaut werden, erklrt der Bastler. Auch an den brigen Teilen war die Zeit nicht spurlos vorber gegangen. Die Tren hatten lauter Lcher, da htte man Nudeln mit abgieen knnen. Auch der Motor und das Getriebe mussten komplett berholt werden. Am Ende folgten die Lackierung und die grauen Lederpolster. Fr diese anspruchsvollen Arbeiten beauftragt der Oldtimer-Fan stets Fachbetriebe, die sich mit der Restaurierung alter Automobile auskennen.

Als der Huder vor 12 Jahren mit seinem Hobby begonnen hat, habe er autotechnisch null Vorbildung gehabt. Nach und nach hat er sich das ntige Wissen angeeignet. Heute ist das Fummeln und Schrauben seine Lieblingsbeschftigung. Es ist unheimlich spannend, sich zu berlegen, was sich die Konstrukteure frher bei den einzelnen Teilen gedacht haben, sagt er begeistert.

Da bestimmte Ersatzteile im Original nicht mehr zu bekommen sind, musste sie der ehemalige Controller nachbauen lassen. Dabei halfen beispielsweise alte Werkstatthandbcher oder Fotos. Das Beste aber ist, wenn man einen cleveren Handwerker hat, dem des Tfteln Spa macht und der zudem ber 60 Jahre alt ist, so dass er sich noch daran erinnern kann, wie die Fahrzeuge in ihren besten Jahren ausgesehen haben. Insgesamt hat die Restaurierung viereinhalb Jahre in Anspruch genommen.

Auch nach den aufwendigen Arbeiten hat der alte Motor nur 50 PS. Bei der Tour am Sonnabend knnte der BMW dennoch wieder eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern erreichen.