So schön war der Oldenburger „Summer of Love“ (NWZ vom 07.08.2017)

Wenigstens kam es zu einem Interview mit einem Oldtimerfreund aus dem MSCO und einem Gast-Aussteller, leider wurde der Club dabei von der NWZ nicht erwähnt.

 

Summer Of Love (v.l.): Angelina, Neele, Kristina, Michael und Frank von der Stage-Academy traten auf.
Bild: Stüber 1 / 2
50 JAHRE FUSSGÄNGERZON

So schön war der Oldenburger „Summer of Love“

OLDENBURG  Samstag, das Wochenende lockt zahlreiche Besucher in die Oldenburger Innenstadt. Der Tag beginnt mit blauem Himmel, nur hier und da ein paar Wolken. Die Sonne scheint. Und heute ist die City besonders voll – die Menschen schlendern durch die Fußgängerzone, vorbei an den Geschäften und bleiben an den Schaufenstern stehen. In den Cafés sind die Plätze draußen schon belegt. Vor 50 Jahren, am 1. August 1967, sperrten die Oldenburger ihre Innenstadt für Autos und Busse und eine der schönsten Fußgängerzonen Deutschlands entstand. Ein Grund zum Feiern.

Auf dem Rathausplatz tummeln sich die Menschen an den zahlreichen Ständen des städtischen Wochenmarkts – heute bunt geschmückt im „Hippie-Stil“ der 60-er Jahre. Motto des Jubiläums ist „Summer of Love“. Schon seit dem Frühling kann man in der Innenstadt die kleinen Gärten zum Thema bewundern. Heute erwartet die Oldenburger ein Programm aus Musik, Kunst, Mode und Kulinarik. Eine Bühne am Lefferseck sorgt für Musik und Stimmung. Björn de Vil und sein Stelzencabrio laufen durch die Straßen und verbreiten gute Laune. Die Burgstraße hat noch ihr eigenes kleines Straßenfest mit einer Bühne direkt vor dem Dieter-Bohlen-Graffiti. Der Herbartgang steht unter dem Motto „Herbart’s Revival – Back to the sixties“ und bietet eine Reise in die Zeit vor 50 Jahren an. Die Besucher können typische Mode und Möbel aus den 60ern bewundern, begleitet von passender Musik vom Plattenspieler.

Für viele ist es sogar eine ganz persönliche Zeitreise. Ursula Limbach und Inga Grosbach haben den Wandel zur Fußgängerzone selbst miterlebt. Die beiden Rentnerinnen erzählen von damals. „Ich weiß noch, als wir auf dem Marktplatz in den Bus eingestiegen sind“, erinnert sich Limbach. Die jetzt 80-Jährige hat auch damals schon in Oldenburg gelebt. Heute lassen sich die beiden ein wenig durch die Gassen und Straßen treiben. „Die Gärten wollen wir uns noch ein letztes Mal angucken, die sind jedes Jahr so schön“, schwärmt sie. Ab diesen Montag werden sie abgebaut. Beide genießen es sehr, durch die Fußgängerzone zu schlendern. „Es ist schön, dass die Innenstadt und die Altstadt verbunden sind. Man kann alles gut erreichen“, findet Grosbach. „Nur fehlen ein paar mehr Geschäfte für Ältere“, ergänzt ihre Freundin.

Doch nicht nur die alteingesessenen Oldenburger erfreuen sich an dem belebten Treiben in einer der ersten Fußgängerzonen Deutschlands. Katrin Keesler und ihr Mann kommen aus Buxtehude und verbringen ein Wochenende hier. „Es ist eine sehr schöne Innenstadt mit wenig Leerstand“, sie ist zum ersten Mal hier. Ihr Mann hat schon den Weihnachtsmarkt besucht.

Auf der Langen Straße hat sich eine Reihe Oldtimer aufgestellt, die bewundert werden können und daran erinnern sollen, dass früher einmal die Autos hier gefahren sind. Zwischen den Schmuckstücken aus Lack und Chrom sitzen Heiko Oldendorf und Sigfried Wal auf ihren Campingstühlen und genießen die Sonne. Oldendorf ist Besitzer des Audi 100 Avant neben ihm und Sigfried gehört der VW Käfer zwei Autos weiter. Stolz präsentieren sie ihre „Oldies“. „Wir freuen uns hier einfach mit unseren Autos stehen zu dürfen“, so Oldendorf. Er ist Oldenburger – „seit dem ersten Tag“, sagt er lachend. „Die Oldenburger Innenstadt ist einfach toll aufgebaut und publikumsfreundlich“, schwärmt der 69-Jährige. Auch er kann sich noch an die Zeit vor der Fußgängerzone erinnern. „Früher sind wir immer nach Bremen gefahren, jetzt kommen die Bremer zu uns. Erst waren viele skeptisch und man wusste gar nicht wo man parken sollte, das waren andere Zeiten.“ Wal ist erst 38 Jahre alt und kennt die Innenstadt nur als Fußgängerzone, die sie heute ist. Trotzdem fasziniert ihn die Zeit. Der Käfer ist sein ganzer Stolz. „Der ist Kult. Das Design ist einfach und es ist ein schönes Fahren.“ Sein Auto ist 66-er-Baujahr.

Heute kann sich kaum einer mehr vorstellen, dass sich früher einmal Autos und Busse zwischen den Geschäften hindurchzwängten und die Abgase den Passanten quasi die Luft zum Atmen nahmen. Damals war es jedoch ein mutiger Schritt Autos zu verbannen und eine reine Fußgängerzone zu eröffnen – ein mutiger Schritt, den heute keiner mehr bereut.