Schöner Bericht von Gustav-Eugen Frerichs und seinen Blauen (NWZ vom 11.06.2015)

Junge Liebe zu alten Autos

Oldtimermarkt in Bockhorn entfacht bei Gustav Frerichs Leidenschaft für Asphalt-Veteranen

Mit Seifenkisten- und Go-Kart-Rennen fing für den 30-jährigen Oldenburger alles an. Heute ist er stolzer Besitzer von zwei Oldtimern.  Norbert Wahn

Oldenburg/Bockhorn Stolz und zugleich trotzig steht es in der Halle der Spedition in Oldenburg-Etzhorn. Das Auto ist klein, himmelblau, ein altes Coupé, eine Schönheit, die hier aber kaum auffällt – denn umringt ist der MG A Baujahr 1962 von großen Lastwagen und Anhängern. Dem Oldtimer aus englischer Produktion kann andererseits in der Halle gar nichts passieren. Er steht hier geschützt wie in einer Wagenburg.

53 Jahre hat dieses Auto auf dem schönen Buckel, sein Besitzer ist allerdings viel jünger. Gustav Frerichs braucht immer vier Räder unter sich. „Ich bin in der Spedition meiner Eltern groß geworden, hier hat sich immer alles um Fahrzeuge gedreht. Das hat mich fasziniert und nicht wieder losgelassen“, sagt der 30-Jährige.

Ein Schrauber

Und das begann in der Kindheit mit Seifenkistenrennen in Wahnbek, wo der Großvater einst die Spedition gegründet hat. Die Seifenkiste war der Grundstock für schon entfachte Begeisterung. Dann fuhr Frerichs Go-Kart. „Ich habe für beide Fahrzeuge hier auf unserem Betriebsgelände eine tolle Trainingsfläche gehabt und immer wieder meine Runden um die Hallen und Lastwagen gedreht. Wunderbar.“ Sowohl die Seifenkiste als auch das Go-Kart haben einen Ehrenplatz in luftiger Höhe in einer der Speditionshallen.

Als Gustav Frerichs in das Alter kam, den Führerschein zu machen, stand eher die Theorie als die Praxis im Mittelpunkt. „Ich konnte ja schon fahren, auch Lkw hatte ich längst auf dem Betriebsgelände bewegt.“ Und die berufliche Karriere passt ins Bild. Erst ließ er sich zum Speditionskaufmann ausbilden, wurde Verkehrsfachwirt, dann absolvierte er eine Kfz-Lehre und machte schließlich seinen Meister. Denn an Fahrzeugen herumzuschrauben, war schon immer seine Leidenschaft.

Sein erstes Auto, einen mittlerweile elf Jahre alten BMW-Mini, fährt er immer noch. „Der hatte mal einen Motorschaden. Den Motor habe ich selbst bei uns im Betrieb gewechselt.“ Gelernt ist halt gelernt. Und der Wagen ist nicht tiefergelegt, nicht verbreitert und wird nicht von einer Riesenlautsprecher-Anlage beherrscht. Ein ganz normales Auto.

Aber wie kommt ein junger Mann auf die Idee, sich für Oldtimer zu interessieren? „Ich kenne den Oldtimermarkt in Bockhorn seit meiner Kindheit. Vielleicht hat dort alles begonnen“, so Frerichs. Das Schlüsselerlebnis fand dann wohl endgültig vor Jahren beim City Grand Prix in Oldenburg statt. Der begeistere Zuschauer fragte einen der Teilnehmer, ob er einmal auf dem Beifahrersitz des Vorkriegs-MG-Oldtimers mitfahren dürfte.

Start als Beifahrer

Der Fahrer war Wilfried Fricke, Aktiver im Motor-Sport-Club Oldenburg, viele Jahre im Vorstand des Clubs Historischer und Rennfahrzeuge Nürburgring und langjähriges Vorstandsmitglied im MG Car Club.

Gustav Frerichs durfte einsteigen und ahnte offenbar nicht, was das weiter in ihm letztendlich auslösen würde. „Als die Veranstaltung zu Ende war, habe ich mich dann getraut zu fragen: Wenn Sie nächstes Jahr einen Beifahrer brauchen, würden Sie dann an mich denken?“ Gustav Frerichs durfte im nächsten Jahr einen MG von Fricke selbst fahren. Ein Ritterschlag.

Und dann nahm die Geschichte ihren Lauf. Der junge Mann wollte auch einen Oldtimer besitzen – natürlich einen MG. Diese emotionale Basis war längst gelegt. Frerichs suchte das geeignete Fahrzeug – und fand es in Salzburg. Eben den himmelbauen MG, Baujahr 1962. Nicht ohne Frickes Rat.

Jahre später reifte dann der Wunsch, auch noch einen Vorkriegs-Oldtimer zu besitzen. Wilfried Fricke hatte im positiven Sinn ganze Arbeit geleistet. Der junge Mann hat Benzin im Blut. Bei der Entscheidung für das richtige Fahrzeug – einen MG PA Baujahr 1935 – half Fricke nicht nur seinem jungen Oldtimer-Freund, sondern reiste auch mit, um das „Schätzchen“ sicher aus England nach Oldenburg zu holen.

Hoffen auf Ersatzteile

Und inzwischen ist der Oldenburger bei vielen Oldtimer-Veranstaltungen am Start. Ob in Oldenburg, Rastede oder auch im Ausland. Und auch im Oldtimer-Club ist er aktiv: und natürlich einer der jüngsten dort, der „Youngtimer“ ist schließlich gerade 30. An diesem Wochenende wird Gustav Frerichs natürlich beim Oldtimer-Markt in Bockhorn dabei sein. „Das ist Pflicht. Hier trifft man Gleichgesinnte, eben viele Schrauber, die man seit Jahren kennt. Und man findet hoffentlich Ersatzteile.“

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