Mit Herzblut und PS unter der Haube (NWZ vom 19.09.2014)

Benthullener Frank Schröder rollt mit Porsche-Oldtimer über die Straßen – Rallye-Teilnahme

Seine Leidenschaft gilt einem 41 Jahre alten 911-er. 2007 verwirklichte er den Kindheitstraum. Astrid Kretzer

Benthullen Zahnarzt, damit verbindet Frank Schröder seit Kindertagen irgendwie auch Lebensfreude und Entspannung. „Ich hatte einen Zahnarzt, der war immer fröhlich“, erinnert sich der 53-Jährige. Warum der unentwegt vor sich hin pfiff? „Er hat gesagt: Weil ich mich nach einem anstrengenden Tag in ein gelbes Auto setze.“

Heute, gut vier Jahrzehnte später, setzt sich Frank Schröder selbst nach getaner Arbeit ans Lenkrad. In einem roten Auto – sonst aber das gleiche Modell wie Mitte der 1970er Jahre sein Zahnarzt. Ein Porsche 911 Targa mit Edelstahlbügel. „So ein Auto wollte ich auch haben.“ Schon damals, mit vielleicht zwölf Jahren. Jetzt hat der Benthullener einen der Kultwagen, sogar „einen ganz besonderen: Es ist der letzte Targa, der vom Band gelaufen ist von dieser Serie“. Baujahr ’73.

Doch bis zur Verwirklichung dieses Kindheitstraums gingen Jahre ins Land. Erst längst erwachsen („Irgendwann erinnert man sich daran, was man noch nicht gemacht hat“) begab sich Schröder auf die Suche nach seinem Wunschmodell, nahm ein um den anderen Porsche-Oldtimer in Augenschein, oft in schlechtem Zustand. Bis er 2007 in einer Werkstatt bei Krefeld seinen heutigen Flitzer entdeckte: versteckt unter einer Plane, nur die Front hervorblitzend. „Der ist es“, war sich Schröder gleich sicher, „als mich das freundliche Gesicht anguckte“. So etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Und bis heute echte Leidenschaft, gesteht Schröder und streicht über den glänzenden Lack. „Man steckt viel Herzblut rein.“

Erst mal aber auch gehörig Arbeit: Mit Unterstützung einer Werkstatt wurde der Oldtimer komplett zerlegt, die Technik überarbeitet, Defektes wie das gerissene Dach oder Sitzmulden ausgetauscht, die Lackierung erneuert, nachträglich angebaute Chromleisten wurden entfernt. „Er ist jetzt in Originalausstattung wie er mal ausgeliefert wurde.“ Farbe, Motor, Ausstattung. Nur eines hat sich Schröder zusätzlich gegönnt: ein Sportlenkrad aus den 70ern vom Flohmarkt, „bei der Rallye Monte Carlo sah man so was“.

Ein bisschen was bleibe aber eigentlich immer zu tun. So müsse wohl irgendwo ein Loch sein in der Fahrgastzelle, im Fußraum kann’s bei Nässe schon mal etwas feucht werden. „Und wenn doch mal nichts da ist, sucht man sich eben etwas.“ Grundsätzlich aber sei der 41 Jahre alte Porsche „sehr solide“, die erste Maschine noch drin. Auch die Karosserie sei sehr gut – wohl auch dank des Vorbesitzers aus der Nähe von San Francisco, der ihn 21 Jahre lang fuhr: „Der Wagen hat immer nur Sonne gesehen.“

Sein neuer Besitzer bleibt dem treu: „Er wird fast nur gefahren bei schönem Wetter.“ 3000 bis 4000 Kilometer im Jahr. Neben privaten Spritztouren in die Umgebung auch bei Ausflügen gemeinsam mit der „Porsche-IG Landkreis Oldenburg“: „eine lose Runde, wir wollen eigentlich nur fahren“. Inzwischen ist Schröder sogar Mitorganisator des Huder Porsche-Tages, der 2014 zum dritten Mal stattfand.

Und dann sind da immer wieder Oldtimer-Rallyes, meist so vier bis fünf pro Saison – die nächste an diesem Sonnabend, 20. September, mit der 3. Eisenstadt-Rallye in Friesoythe. Schröder ist wieder mit dabei, diesmal allerdings ausnahmsweise nicht mit Ehefrau Kerstin Schröder-Niemöller, die sonst als Beifahrerin mit auf Tour geht und das Bordbuch mit dem Streckenverlauf und den anzufahrenden Wertungsprüfungen im Auge hat. Sie steht hinter seinem Hobby und der Begeisterung für den Porsche-Mythos. Und kennt das besondere Fahrgefühl: „Der ist hart, der ist laut“, schmunzelt Schröder: keine Startautomatik, kein Bremskraftverstärker, keine Servolenkung. Dafür Fahrspaß: „Das ist Autofahren pur.“ Nur eines möge der 911-er nicht: zu niedrigtouriges Fahren. „Unter 2000 Umdrehungen macht er Bocksprünge. Man bewegt ihn zügig. Weil es eben ein Sportwagen ist.“

Also buchstäblich ungebremster Spaß und Lebensfreude? Schröder verneint entschieden: „Wenn man’s drauf anlegt, fährt der schon weit über 200. Aber Tempoleistung spielt keine Rolle mehr!“ Vielmehr gehe es um „Spaß an der Freud’“, um die Begegnung mit interessanten Menschen, das Genießen der Strecke. Und um – Entspannung. „Ein Oldie-Porsche ist wie eine Thalasso-Kur. Man steigt ein, riecht das alte Auto, und das entspannt.“