Restauriert bis ins kleinste Detail (NWZ vom 13.08.2014)

Walter Gier aus Strücklingen nimmt teil an   Rallye

Seit Februar gehört dem Strücklinger der Mercedes 230 SL Pagode. Mit dem Erwerb hat sich der 63-Jährige einen Traum erfüllt.

von Tanja Mikulski

Strücklingen Das Interesse an Oldtimern liegt quasi in der Familie von Walter Gier aus Strücklingen. Schon sein Bruder habe als Kfz-Mechaniker Autos restauriert, sagt der 63-Jährige. Er selber hat zu Studentenzeiten zusammen mit einem Bekannten einen Porsche 356 SC restauriert und gefahren. „Das war 1970. Damals war man nicht so auf Oldtimer fixiert“, sagt Gier, „ich habe ihn dann verkauft.“

Schon immer sei der Strücklinger an „schönen Autos“ interessiert gewesen. Seit Februar 2014 kann er einen Mercedes 230 SL Pagode sein Eigen nennen. Mit diesem will Gier am 20. September an der dritten Friesoyther Classic-Eisenstadt-Rallye teilnehmen.

Bis zur Perfektion

Angeschafft habe er sich das 150 PS-starke und etwa 200 Stundenkilometer schnelle Stück in Hinblick auf seine Pensionierung. Wie berichtet, ist Oberstudienrat Gier vor Kurzem nach 41 Jahren im Schuldienst vom Laurentius-Siemer-Gymnasium Ramsloh in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet worden. Jetzt habe er Zeit, sich seinem Oldtimer-Hobby und auch seinem Garten zu widmen.

Der 230 SL ist als Ersatz für den 300 SL Flügeltürer und den 190 SL auf der Fachmesse „Genfer Auto-Salon“ 1963 vorgestellt worden. 1966 wurde der Sportwagen für den deutschen Markt gebaut. Danach wurde er von einem Amerikaner gekauft und dann drei Monate in Deutschland gefahren. Nachdem der Wagen in die USA gebracht worden war, kam er Anfang der 90er Jahre wieder nach Deutschland. Ein Maschinenbaumeister kaufte ihn und restaurierte ihn bis zur Perfektion.

An den Mercedes 230 SL Pagode sei Gier über Kontakte durch seine Mitgliedschaft im 1. Oldtimerclub Deutsche Fehnroute herangekommen. Nachdem er sich mehrere Exemplare angeschaut habe, sei Gier so fasziniert von der Restaurierung gewesen, dass seine Entscheidung auf den besagten Sportwagen fiel. „Ich konnte an ihm nicht vorbeigehen“, sagt Gier. Der vorherige Besitzer habe sich dafür entschieden, ein neues Restaurationsobjekt in Angriff zu nehmen.

In Wachs getaucht

Die gesamte Restaurierung sei dokumentiert. So zerlegte der Maschinenbaumeister den Wagen komplett und schliff ihn bis aufs blanke Blech ab. Er wurde von innen mit Glasperlen gestrahlt, neu lackiert und komplett versiegelt. Überholt wurden Motor, Getriebe und Hinterachse, die Einspritzpumpe, das Leder mit Polsterung und das Stoffverdeck wurden unter anderem erneuert. „Zwischenzeitlich ist er schwarz lackiert worden, damit man alle Macken sieht. Dann wurde er irgendwann weiß lackiert. Jede Schraube ist vor dem Einbau in Wachs getaucht worden“, erzählt Gier. Für die nötige Sicherheit im Sportwagen sorgen unter anderem eine steife Fahrgastzelle sowie die verformbare Front- und Heckpartie, Scheibenbremsen an der Vorder- und Hinterachse.

Deutsche Wertarbeit

Mit dem Mercedes 230 SL Pagode hat sich Gier einen Traum erfüllt. „Das wunderschöne Design macht ihn besonders und begehrenswert. Es ist gute deutsche Wertarbeit“, schwärmt der Strücklinger. Auch sei ein Vorteil, dass man gut Ersatzteile bekomme könne.

Zum ersten Mal nun wird Gier im September an einer Rallye teilnehmen. Sein Sohn Stefan (25) begleitet ihn als Beifahrer. „Ich nehme teil, um Spaß zu haben und Leute kennen zu lernen. Wenn dabei ein Pokal herausspringt ist es schön, wenn nicht, ist es auch nicht schlimm“, sagt Gier.