Vater-Sohn-Gespann mit Benzin im Blut (NWZ vom 21.08.2013)

Thomas und Jens Kellermann starten mit Golf GTI, Baujahr 1983, in Friesoythe
Den Wagen hatte Kellermann 1987 günstig erstanden, ihn aber zunächst wieder verkauft. Der VW Golf mit 112 PS ist 374 000 Kilometer gelaufen.
Lars Puchler  

Wer bei der Eisenstadt-Rallye am Steuer sitzt und wer auf dem Beifahrersitz Platz nehmen wird, wissen Thomas (links) und Jens Kellermann noch nicht.
CLOPPENBURG_FRIESOYTHE_2_ea316482-511d-4460-af95-3013336541ee-003--522x337               Bild: Lars Puchler

Altenoythe Dass Thomas Kellermann Benzin im Blut hat, wird schon beim Betreten des Grundstücks klar. Zwei Autos stehen in der Einfahrt, ein Blick in die Garage lässt vier Motorräder erkennen. Und daneben steht in metallglänzendem Lack ein Golf GTI aus dem Jahr 1983.

Mit diesem Schmuckstück wollen Thomas und Sohn Jens Kellermann in diesem Jahr bei der Friesoyther Eisenstadt-Rallye an den Start gehen. Wer dabei der Fahrer und wer der Beifahrer sein wird, lässt Kellermann senior offen: „Ich weiß es noch nicht genau. Aber ich weiß, dass er mit dem Auto vernünftig umgeht. Also könnte er durchaus am 14. September hinterm Steuer sitzen.“ Der 20-Jährige fügt lachend hinzu: „Schließlich hatte ich auch den besten Lehrmeister.“ Seine Fahrprüfung legte Jens bei seinem Vater ab.

Vor 19 Jahren hat Thomas Kellermann sein Hobby zum Beruf gemacht. Seitdem betreibt der 48-Jährige eine Fahrschule in Friesoythe. Zuvor arbeitete er als Zeitsoldat bei der Bundeswehr und als Kfz-Meister. Autos und Technik haben seinen Weg geprägt. „Der Weg war mir vorbestimmt. Bereits mein Vater war Kfz-Meister, und wir haben viel an alten Wagen geschraubt.“

Bereits im vergangenen Jahr wollten die Kellermanns bei den Friesoythe Classics starten, nun haben sie ihren Plan in die Tat umgesetzt. An den Start gehen die beiden mit ihrem Golf GTI, der mit dem 112 PS starken Motor Geschwindigkeiten von bis zu 186 km/h erreicht. Den Wagen erstand der Fahrlehrer 1987. „Ich musste als Zeitsoldat viele Lehrgänge besuchen, und das Geld war knapp, da fiel die Wahl auf den GTI“, sagt der 48-Jährige. Knapp 374 000 Kilometer hat der metallfarbene Wagen bereits hinter sich gebracht, größere Ausfälle gab es dabei noch nie. „Mit dem Wagen haben wir schon viel erlebt. Er könnte einige Anekdoten erzählen“, berichtet der Altenoyther.

Als Kellermann die Fahrschule gründete, kam der Golf als Fahrschulwagen nicht infrage, so dass er sein altes Gefährt an einen Bekannten verkaufte. Sieben Jahre später stand der GTI wieder zum Verkauf, der Kfz-Meister brauchte nicht lange zu überlegen. Er kaufte den Wagen zurück, ließ ihn jedoch zwei Jahre unangetastet in der Garage stehen. Nach und nach brachte der 48-Jährige den Golf, der in der Sonderserie Pirelli mit der Sonderlackierung Metallic ausgeliefert wurde, in seiner Freizeit wieder auf Vordermann.

Die Friesoythe Classics sind die erste Rallye, an der das Vater-Sohn-Team teilnehmen wird. Dementsprechend wage sind die Ziele formuliert. „Wir wollen einfach ein wenig Spaß haben. Mit zwei Stoppuhren sind wir bestens gerüstet“, sagen die beiden. Am meisten freuen sich die Kellermanns jedoch auf die Schraubergespräche mit anderen Oldtimer-Liebhabern im Fahrerlager.