MSCO-Mitglied Jörg Hatscher gründet eigenen Rennstall (NWZ vom 12.01.2013)

Firmenchef tritt im März mit seinem Team bei Rennserie auf Nürburgring an
Der Oldenburger Jörg Hatscher startet beim Langstreckenrennen auf dem Nürburgring mit seinem eigenen Rennstall. Für ihn ist es mehr als ein Hobby.
von Karsten Röhr
NWZ_12_01_2013In der Boxengasse: Hatschers MB 190 E 2.5-16 EVO II W201 1990 bei einem Langstreckenrennen im September 2011 auf dem Nürburgring . Damals fuhr er noch für einen fremden Rennstall.Bild: Jörg Hatscher

Oldenburg – Schwedenkreuz und Fuchsröhre, dann das Stück zwischen Bergwerk und Caracciola-Karussell mit weiten Highspeed-Kurven und engen Biegungen, später die S-förmige Kombination vor dem Schwalbenschwanz, wo man mit weit über 200 km/h in die Anbremszone schießt, direkt hinter einer mit Bodenwellen garnierten Kuppe: Das ist Nürburgring pur, wie man ihn gerade bei den Langstreckenrennen erleben kann.
Rennsport-Erfahrung

Den Oldenburger Unternehmer Jörg Hatscher, Chef des Autoumrüsters und Folienspezialisten Intax, hat die Begeisterung für Autos mit acht Jahren gepackt – und die Begeisterung für Langstreckenrennen vor fünf Jahren. Bisher war Hatscher als Fahrer in einem anderen Team unterwegs, nun hat er seinen eigenen Rennstall gegründet – auch, weil er seine Pingeligkeit und seinen Perfektionismus so noch besser ausleben kann. Es bedeutet mehr Arbeit, aber auch eine neue Herausforderung. Im Motorsport ist er mit seinem Unternehmen ohnehin längst zuhause: „Wir arbeiten seit zehn Jahren für den Porsche Cup, auch AMG ist großer Kunde von uns: Alle, die da rumrollen, sind von uns.“ Zahlreiche Folgeaufträge haben sich daraus ergeben. Selbst an der sensationellen Präsentation des Mercedes-Supersportlers SLS AMG Electric Drive mit 552kw (750 PS) in seiner blauen Chrom-Optik auf dem Autosalon 2012 in Paris war Hatschers Intax beteiligt.

Schnelle Autos sind also ohnehin sein Thema. Er sagt: „Ich bin mit 51 Jahren nicht auf dem Weg zum Formel-1-Weltmeister“, aber großen Rennsport gibt es auch in anderen Serien. Besonderen Reiz haben die Langstreckenrennen, bei denen Hatscher fährt. Antreten wird er mit dem Intax-Motorsport-Team bereits in dieser Saison in der VLN-Langstrecken-Serie auf dem Nürburgring mit seinem Mercedes Benz 190 E 2.5-16 EVO II W201 1990 – er nennt ihn einfach „Baby 2“ – im dritten Block in der Gruppe der Historischen Fahrzeuge (60 bis 70 Autos in jeder der drei Startgruppen).

Der in den Intax-Farben schwarz und gelb gehaltene 190er Mercedes mit neuem Design geht am 23. März ins erste der elf Rennen. Großer Höhepunkt ist das Pfingstwochenende mit dem 24-Stunden-Rennen, das ebenfalls zur VLN-Meisterschaft zählt und eine unvergleichliche Atmosphäre bietet.

Auf der etwa 25 Kilometer langen Strecke fahren über 200 Autos gleichzeitig um die Wette, vom 100-PS-Kleinwagen über DTM-Werksautos bis zum 700 PS starken Turbo-Porsche. Über 1000 Fahrer – Amateure und Profis – lösen sich an den Lenkrädern ab.
Elfköpfiges Team

Hatscher sagt: „Mit unserem eigenen Team gehen wir noch viel optimistischer an den Start als bisher.“ Drei fast baugleiche Autos werden ihm auf Dauer zur Verfügung stehen. Der Freitag des Rennwochenendes ist nicht nur für das freie Training da. Er „gehört“ den Gästen des Rennstalls – mit Fahrten über die Schleife. Das dreiköpfige Fahrerteam besteht aus Hatscher als Teamchef und Fahrer, Thorsten Stadler als Kooperationspartner und einem fremden Fahrer, der sich bewerben kann. Insgesamt umfasst das Team elf Personen, die sich in Lounge und Box um Gäste und Autos kümmern.

Denn der eigene Rennstall ist für Jörg Hatscher „kein reiner Hobbyzweig, sondern ein Firmenzweig“. Die Rennen sind auch beliebte „Events“, die Unternehmen etwa verdienten Mitarbeitern oder guten Kunden zugute kommen lassen. Das Geschäft läuft, denn „so ein Langstrecken-Wochenende begeistert einfach alle, die das erleben“.