Wo sind die Trucker aus Togo? (NWZ vom 09.09.2002)

Fehlen der Afrikaner irritiert Auenseiter-Fans, tut der Stimmung aber keinen Abbruch

Oldenburg. la bonne heure, das hatte fast schon olympisches Flair: der Einmarsch der Nationen in den sonnengefluteten WM-Parcours, das feierliche Hissen der Flagge des Kraftfahrer-Verbands Union Internationale des Chauffeurs Routiers (UICR), die vom Wehrbereichskorps Lneburg I intonierte Nationalhymne und die bedeutungsvoll gesprochenen Worte des UICR-Prsidenten: Hiermit ist die 23. Weltmeisterschaft der Berufskraftfahrer in Oldenburg erffnet!

Die Pressevertreter auf der Tribne bewegte am Rande der Zeremonie derweil vor allem eine Frage: Wo ist Team Togo?

Dort standen die Athleten, angefhrt von den Trgern ihrer Landesfahnen, und erquickten sich am Applaus ihrer (vermutlich anverwandten) Fans. Die favorisierten Finnen waren da, die wie immer schwer einzuschtzenden sterreicher und natrlich auch die beiden selbstbewussten Starter aus der Slowakei (die ihrer Zeit voraus unter EU-Fahne angetreten waren). Ja, selbst die Hollnder durften diesmal dabei sein. Aber wo war Togo?

Erinnerungen an ein legendres Skilanglaufrennen wurden wach: Wo ist Behle? hatte ZDF-Mann Bruno Moravetz bei den Winterspielen 1980 verzweifelt gefragt, als der Deutsche Jochen Behle einfach nicht ans Ziel kommen wollte. Ein aufmerksamer Beobachter, der daneben das gleichzeitige Fehlen Polens und Tschechiens anmerkte, wurde im allgemeinen Rtselraten schlicht berhrt.

Da aber einstweilen niemand eine plausible Erklrung finden konnte, begann das Turnier eben ohne afrikanischen Vertreter. Es gab ja auch so genug zu Gucken und zu Tratschen. Etwa ber die eigentmlichen Kopfbedeckungen der ansonsten fesch gekleideten Kroaten. Deren dunkelblauen Anglermtzen mussten zwischen den sonst dominierenden Baseball-Kappen und Cowboyhten fast schon als modischer Fauxpas gelten.

Schlielich hatte die Zeremonie ein Ende, die Athleten zogen von dannen, und es ging endlich richtig los. Den Auftakt machte die franzsische quipe. Schon nach wenigen Runden schienen die Gesichter einiger Tribnengste allerdings anzudeuten, dass sich ihnen die Finessen des in Deutschland bisher nicht als Breitensport bekannten Geschicklichkeitsfahrens im Schwerlastverkehr nicht auf Anhieb erschlossen.

Wie gut, dass es die Kommentatoren vom Motor-Sport-Club Oldenburg gab, die das Schneckentemporennen rasant moderierten. Ihre aufschlussreichen Berichte und interessanten Geschichten zur Vita der Fahrer erleichterten unkundigen Besuchern den Zugang zu diesem fremden Sport (und erinnerten berdies ein wenig an die Moderation von Randsportarten im DSF). Wer trotzdem noch eine Frage hatte, konnte sich an einen der Aktiven wenden, die von der Tribne aus die Leistung ihrer Konkurrenz inspizierten.

Dabei kam es zu einem lustigen Kauderwelsch. Mit Kroaten wurde Englisch gesprochen, mit Italienern Franzsisch, und mit den Rumnen ging es in Zeichensprache. Nicht zuletzt das Sprachenwirrwarr verlieh der Brummi-WM internationales Flair. Bis in die frhen Morgenstunden feierten Athleten und VIPs im groen Zelt ein multi-kulturelles Fest mit starkem Country-Einschlag.

Wie spter zu erfahren war, wurde den togolesischen Piloten kurzfristig das Einreisevisum verweigert, da sich die Behrden nicht sicher gewesen sein sollen, ob das Team spter vollzhlig die Heimreise antreten wrde. Die tschechischen Chauffeure hatten sich abgemeldet. Warum Polen nicht angetreten war, blieb bisher offen.

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